Zum Teil abgeschlossen zum Teil noch geplant:


Themenwoche – Spielorte

rÜBERBLICK – MV-Tour  08. -12. 06. 2021

MV = 23.174 km² zum Theaterspielen – Foto: Cornelia Unrauh

Die Tour durch Mecklenburg-Vorpommern mit den Delegierten der Freien Szene Saar
stand unter dem Motto „Spielorte“
.

Bei Spielorten für Theater denkt man zunächst an feste Häuser, die mit Bühne, Bestuhlung, Licht- und Tontechnik ausgestattet sind.
Staats- und Landestheater entwickeln eigene Inszenierungen oder laden bevorzugt Inszenierungen von anderen staatlichen Theatern ein. Einige nutzen aber auch Auftritte von freien Gruppen und bereichern damit ihren Spielplan.

Freie Theater mit eigenen festen Spielstätten sind in M-V rar gesät, die Bühne 602 in Rostock ist ein Beispiel dafür. Hier finden regelmäßig und spartenübergreifend Gastspiele von verschiedenen Freien Künstlern statt.

Außer speziellen Theaterhäusern werden auch andere öffentliche Gebäude für künstlerische Veranstaltungen genutzt wie Mehrzweckhallen oder Gemeindehäuser. Meist gibt es Bestuhlung und manchmal eine Bühne. Voraussetzung ist eine aufgeschlossene Verwaltung sowie engagierte Einzelpersonen oder Gruppen, die entsprechende Aufführungen organisieren wollen und für die Finanzierung sorgen.

Längerfristig erfolgreich werden Spielreihen meist dann, wenn das Thema Kultur zu den entsprechenden Einrichtungen passt, das ist beispielsweise bei Bürgerhäusern und Soziokulturellen Zentren der Fall. Museen und Büchereien haben oft ebenfalls Affinitäten zu künstlerischen Events.

Die vorgenannten Strukturen finden sich hauptsächlich im städtischen Umfeld.
Schulen dagegen gibt es flächendeckend.
Wenn dort Veranstaltungen von Freien Künstlern stattfinden sollen, ist mindestens eine begeisterte Lehrkraft nötig. Die Räumlichkeiten sind häufig Aulen oder Turnhallen mit wenig eigenem Flair.
Als mobile Bühne hat man jedoch die Möglichkeit, sich den eigenen theaterwürdigen Raum zu schaffen. Der Bühnenaufbau selbst, der ruhige Hintergrundvorhang, die Form der Bestuhlung – all das hilft dabei, die Aufmerksamkeit des Publikums zu fokussieren. Bewährt haben sich auch lichtdichte Planen, um störende Fenster zu verdunkeln.
Kitas stehen altersgerechten Inszenierungen durchaus offen gegenüber. Falls es an Platz oder an Geld mangelt, ist es oft sinnvoll, zwei Einrichtungen in einer Vorstellung zusammenzufassen und etwa auf ein Dorfgemeinschaftshaus auszuweichen. Einige Freie Bühnen inszenieren auch speziell für kleine Räume.

Auf den Dörfern selbst sind es vor allem ehrenamtliche Kunst- oder Kulturvereine, die für Theater, Musik, Lesungen und Ähnliches sorgen. Sie sind mittendrin, kennen die Vorlieben der Einwohner und setzen auf persönliche Ansprache, statt sich ausschließlich auf Flyer und Plakate zu verlassen.
Kirchengemeinden können ebenfalls dankbare Kooperationspartner sein, zudem verfügen sie über Räumlichkeiten und natürlich als besondere Spielorte über die Kirchen selbst.

Unter Umständen veranstaltet die freiwillige Feuerwehr jährliche Feste, auf denen künstlerische Darbietungen integriert werden könnten – manchmal sind es Chöre, manchmal Sportvereine oder die Volkssolidarität. Dörfliche Flohmärkte, Gartenstaudenaktionen, Kinderkleidertausch … alles Chancen für ein kulturelles Begleitprogramm.
Die jeweiligen Auftrittsorte können überraschend ausfallen. Für Kultur auf dem Land sollte man ein wenig um die Ecke denken, sich umhören, dabei sein, Kontakte knüpfen – und seine Aufbauten flexibel halten.


Mit den Delegierten der Freien Szene Saar haben wir auf der rÜBERBLICK-Tour durch M-V
verschiedene Arten von Spielorten besucht.

Institutionelle Einrichtung
Das Kornhaus Bad Doberan ist ein Soziokulturelles Begegnungszentrum für Bürger aller Altersgruppen mit Kunstschule, Umweltbildungsstätte und vielfältigem Veranstaltungs-Angebot. Außerdem ist eine Herberge angegliedert, in der unsere Projektgruppe übernachten konnte.
Der Saal im Hauptgebäude ist verdunkelbar und enthält flexible Bestuhlung. Die Mitglieder des LAFT-MV zeigen regelmäßig ihre Inszenierungen dort.
In naher Zukunft soll die gegenüberliegende Ruine transparent überdacht werden, so dass ein wettergeschützter Open-Air-Spielort dazukommt.

Freies Theater mit eigenen Spielstätten
Unser erstes großes Projektmeeting mit Zoom fand im Klostergarten Rostock auf der Sommerbühne des Freien Theaters „Compagnie de Comédie“ statt. Sowohl die ansteigende Zuschauertribüne als auch die Bühnenpodeste sind überdacht, es kann also auch bei Regen gespielt werden, was von den Rostockern gerne angenommen wird. Licht- und Tontechnik ist ebenfalls vorhanden, lediglich die Dixi-Toilettenlösung ist verbesserungsbedürftig.
Im Herbst wird alles abgebaut und die Aufführungen in die BÜHNE 602 verlegt. Dort gibt es einen ausgestatteten Theatersaal, ein Foyer mit Gastronomie, Garderoben, Werkstatt, Fundus und Büros.
Der Spielplan in- und outdoor enthält Inszenierungen des eigenen Ensembles, Gastspiele aus verschiedenen Sparten und mehrere thematisch unterschiedliche Festivals.

Gehöft eines Künstlers mit Unterstützung eines ehrenamtlichen Vereins
Für das zweite große Projektmeeting hatten wir das abgelegene Gehöft in Passentin gewählt. Es gehört dem Puppenspieler und Ausstatter Stephan Rätsch. Das ehemalige Wirtschaftsgebäude beherbergt nun im Erdgeschoss mehrere atmosphärische Räume für Ausstellungen und kleinere Veranstaltungen. Auf dem noch etwas rohen Dachboden steht die gesamte Grundfläche zur Verfügung, ein breites Bühnenpodest ist eingebaut und trotzdem gibt es viel Platz für Zuschauer.
Dazu kommt das weitläufige Außengelände, das bei gutem Wetter ebenfalls genutzt werden kann.
Der Kunst- und Kulturverein simsalArt e.V organisiert hier kleinere und größere Workshops und Events, oft als Veranstaltungsreihen konzipiert, in den Bereichen Theater, Musik, bildende Kunst und Literatur. Um langfristig als kultureller Treffpunkt zu bestehen, setzt man auf Kontinuität und weitet die Aktivitäten auch in die nähere Umgebung aus.

Kultur auf der Tenne einer Künstlerin
Die Familie der Puppenspielerin Dörte Kiehn lebt ebenfalls auf einem ehemals bäuerlichen Anwesen.
Die Tenne ist nicht riesig, nach ihrer Aussage der Dorfgröße angepasst. 40 bis 50 Menschen passen zusätzlich zur Bühne durchaus hinein.
Dörte Kiehn hat selbst die Initiative ergriffen und kulturelle Veranstaltungen auf ihrem Hof ins Leben gerufen. Dazu gehören z. B. sommerliche Dorffeste mit Programm, Theateraufführungen, Bastelnachmittage, Open-Air-Kino aber auch Winterkino für Kinder im Schlafsack, als die Tenne noch nicht heizbar war …
Dörte Kiehn passt ihre Aktivitäten der Lebenssituation an und verbündet sich jeweils mit Gleichgesinnten aus der Umgebung. Umgekehrt hilft sie aus, wenn andere ihre Ideen umsetzen wollen. So gibt es auf der Tenne einen Schrank mit Geschirr für 80 Personen und mehrere Bierzeltgarnituren, die von den Dorfbewohnern jederzeit ausgeliehen werden können.

Die Kombination von Eigeninitiative und das zur Verfügung stellen von größeren Räumlichkeiten ist auf dem Land in M-V häufiger zu finden. Ein weiteres Beispiel ist die Scheune von Enno & Petra Möller in Schwarzenhof, in welcher die Projektgruppe den letzten Abend verbrachte.

Synergieeffekte durch Hinzuziehen von weiteren Künstlern
Einen interessanten Weg ist Coco Radsack gegangen. In einem alten städtischen Fachwerkhaus gründete sie 2008 „Das Kontor“ Schwerin und eröffnete darin ihre Schmiedewerkstatt, in der sie auch Lehrlinge ausbildet. Das Besondere ist die Bereicherung durch weitere Künstler, die ihre Werke im „Kontor“ ausstellen und verkaufen oder auch mal Konzerte geben. Ein Kunstschmied und Maler gehört dazu, die Musikerin und Malerin Marta Olejko, die zudem LAFT-MV-Mitglied ist, eine Grafik-Designerin und ein Bildhauer. Aus dem Kontor ist ein Kunst(kauf)haus geworden. Der Vorteil für alle liegt auf der Hand, weit mehr Interessierte finden den Weg ins Haus, als es bei jedem einzelnen Künstler der Fall wäre.

Ein Spielort muss nicht zwingend ein Gebäude sein.
Auf der Tour durch M-V fand vieles unter freiem Himmel an öffentlichen Orten und in der Natur statt.
Die Geografin Evelin Kartheuser hielt ihren Vortrag z. B. an der Steilküste und im Gespensterwald von Nienhagen.
Der Stelzen-Walkact von Sven Lange als Bademeister führte zum angrenzenden Strand und sogar bis in die Ostsee.
Die Ruine der Wüsten Kirche Domherrenhagen diente als Bühnenbild zur Miniaturoper „Die Wassermuhme“ vom Musik Theater Cammin.

Bei solchen Events sollte man sehr mobil und unabhängig von Strom sein. Selbstverständlich sorgt man dafür, dass nichts zerstört oder liegenlassen wird. Zum Teil muss vorher eine Genehmigung eingeholt werden, oder man nimmt die entsprechenden Stellen zu beidseitigem Nutzen gleich mit ins Boot.
Bei unseren Aktivitäten fühlten sich zufällige Besucher nicht etwa gestört, sondern freuten sich über die unverhofften Vorstellungen und sahen interessiert zu. Bei Veranstaltungen im öffentlichen Raum ist in dieser Hinsicht immer Fingerspitzengefühl gefragt.
Wir hatten Glück mit dem Wetter und die Gruppe war mit ca. 12 Personen relativ klein.
Werden es deutlich mehr Zuschauer oder ist Regen zu erwarten, wird man andere Orte, Konzepte und Kooperationen finden.
M-V ist voll von noch unentdeckten Möglichkeiten und das Saarland sicher auch.


 


Thementag – Grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Zoom-Meeting 05. 05. 2021 – 20:00 Uhr

Moderiert von Mirka Borchardt vom Netzwerk Freie Szene Saar ging es in dieser Diskussionsrunde um das Thema „Grenzüberschreitende Zusammenarbeit“.
Dazu wurden Probenmitschnitte des experimentellen Theaterprojektes “Onirisée” gezeigt.
Es handelt sich um die zweisprachige Inszenierung eines surrealen Traumes, inspiriert von Künstlerinnen der Moderne. Theatralische Mittel sind außer den vor- und rückübersetzten Texten vor allem beeindruckende Bilder sowie Sound. Dem Surrealismus folgend werden sinnliches Erfassen und intellektuelles Verständnis nebeneinander gesetzt.
Die Beteiligten (Elodie Brochier, Katharina Bihler, Stefan Scheib, Sascha Ley) stammen aus verschiedenen Ländern der „Großregion SaarLorLux“, ein gewünschter und beworbener grenzüberschreitender Kulturraum.

Im Laufe der Diskussion kristallisierte sich heraus, dass die Bereitschaft zur Zusammenarbeit rein menschlich und künstlerisch funktioniert, die unterschiedlichen politischen Strukturen jedoch große Hindernisse darstellen. Während der Coronavirus-Pandemie verschärfte sich das ohnehin problematische Bild durch die verschiedenen Regeln der einzelnen Länder um ein Vielfaches.
Experimentelle Kunst in der länderübergreifenden Saarregion findet statt, aber vor allem, weil einzelne Veranstalter:innen und Amtsinhaber:innen sich zusammen mit den Kunstschaffenden engagieren, um entsprechende Fördergelder und Strukturen dafür einzurichten.

Im Vergleich verfügt M-V bisher weder über entsprechende Förderstrukturen, noch über Veranstaltungsorte (bis auf ganz wenige Ausnahmen), an denen experimentelles Theater auf bezahlter Basis stattfinden könnte. Aufführungen und Gagen der hiesigen freien Szene sind zumeist an Eintrittsgelder gebunden.
Festivals „für alle“ werden gern gesehen und auch gefördert. Eventuell liegt hier zukünftig eine Möglichkeit, einzelne abstraktere Inszenierungen unterzubringen, die auf dem freien Markt sonst wenig Chancen hätten.
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Skandinavien oder Polen findet in M-V im Theaterbereich bisher nur in Einzelfällen statt.

Die Landesverbände bedauerten die hohen bürokratischen Hürden, wenn es um Beantragung von EU-Geldern für grenzüberschreitende Theaterprojekte geht. In Deutschland wird außerdem für auswärtige Künstler eine Ausländersteuer erhoben. Beides behindert die Verwirklichung solcher Projekte, die zwar politisch erwünscht, praktisch aber schwer umzusetzen sind.
Auf lange Sicht könnte die Vorgehensweise des Fonds Darstellende Künste mit „Neu Start Kultur“ ein Vorbild auf EU-Ebene sein.


 


Thementag – Festivals

Zoom-Meeting 06. 05. 2021 – 19.30 Uhr

Der Abend am 06. Mai 2021 war nicht für die große Gruppe aller Mitglieder, sondern für die Künstlerkollektive beider Landesverbände vorgesehen, denn es ging vor allem um Organisation und Verwirklichung von Theaterfestivals. Dazu lud eine kleine Delegation des Netzwerks Freie Szene Saar ihre zwei Gäste aus M-V in das beliebte Musik-Kultur-Kneipenrestaurant „Terminus“ ein.
(Diese berufliche Zusammenkunft war beim Gesundheitamt angemeldet und natürlich waren alle  Beteiligten negativ auf Covid-19 getestet.)
Der Inhaber Geoffroy Muller verwöhnte die Anwesenden mit vier selbstgekochten französischen Gerichten. Wer nur per Zoom zugeschaltet sein konnte, erahnte den Genuss und hofft auf die Rezepte.

Trotz der kulinarischen Verführungen wurde das Thema detailliert diskutiert:

Das Netzwerk Freie Szene Saar ist zur Zeit dabei, ein erstes Festival zu organisieren. Es wurde wegen der Corona-Pandemie verschoben und soll nun im Juni/Juli 2021 in der Völklinger Hütte stattfinden.
Man hatte sich darauf geeinigt, dass alle beteiligten Künstlerinnen und Künstler die gleiche Gagenpauschale bekommen, unabhängig von Aufwand und Qualität der Performance.
Als ein weiteres Projekt ist im Saarland eine Spielreihe für den Sommer geplant. An verschiedenen Orten der Stadt, z. B. in Museen, sollen mehrmals am Tag kurze Aktionen oder Ausschnitte aus Inszenierungen gezeigt werden.

Der LAFT-MV hat bereits langjährige Erfahrungen mit Festivals und Spielreihen.  Dörte Kiehn, die nebenher momentan die Geschäftsstelle ausfüllt, gab einen Überblick über die Vorgehensweise, welche in einem Flächenland eventuell andere Prämissen erfordert, als in einer zentralen Stadt mit nahem Umfeld.  Mitglieder aus dem Künstlerkollektiv LAFT-MV ergänzten ihre Ausführungen.
Zuerst hat sich in M-V das jährliche SpielLust-Festival etabliert. Seit 25 Jahren findet es statt, der erste Aussetzer 2021 ist pandemiebedingt. Das Konzept richtet sich vornehmlich an Kinder und beinhaltet einzelne Vorstellungen für Erwachsene. Auf diese Weise vereint es ein attraktives Programm für das Publikum mit einer internen Werkschau, die ermöglicht, gegenseitige Vorstellungen zu besuchen und sich auszutauschen. SpielLust fand zunächst in wechselnden Städten statt, ist aber inzwischen zum Bestandteil der BÜHNE 602 in Rostock geworden, weil dort das einzige feste Theaterhaus in den Reihen des LAFT-MV existiert.
Weitere Festivals entstanden in verschiedenen Städten und Landstrichen, meist durch Initiative einer ansässigen Mitgliedsbühne in Kooperation mit regionalen Verwaltungen oder Organisationen. Kosten wie Miete, Technik, Ticketverkauf, Gagenanteile … werden bei diesen Festivals je nach Struktur und Kooperationsgegenüber unterschiedlich geregelt.
Bei allen übernimmt eine künstlerische Leitung vor Ort die Kuration.
Die Gagen werden per Vorstellung berechnet mit leichter Anpassung für Solo- oder Duospieler:innen. Außerdem wird ein Fahrtkostenanteil übernommen, was in einem Flächenland nicht unerheblich ist.
Mitglieder ohne Vorstellung bekommen zumeist ebenso Übernachtung und zum Teil Verpflegung gestellt, denn das Treffen untereinander ist ein wichtiger Bestandteil aller Aktionen des LAFT-MV.

Im Laufe der Diskussion stellte sich heraus, dass die vorherrschende Zielgruppe der Theaterschaffenden in den beiden Landesverbänden sehr unterschiedlich ist. In M-V werden vorwiegend Kigas, Kitas und Schulen dezentral angesprochen, während das Netzwerk Freie Szene Saar sich zum großen Teil an ein erwachsenes Publikum richtet.
Insofern lassen sich nicht alle erfolgreichen Konzepte in beide Richtungen eins zu eins übertragen, sie können aber Hinweise und Denkanstöße bieten, die entsprechend übersetzt werden müssten.

Ursprünglich thematisch nicht vorgesehen, aber offenbar von Interesse für das saarländische Künstlerkollektiv erwiesen sich die Gemeinschaftsinszenierungen des LAFT-MV. Im Gegensatz zu vielen Kinderstücken der einzelnen Bühnen, sind diese für Erwachsene konzipiert.
SAGENHAFT entstand aus einem Workshop. Die Teilnehmer bekamen die Aufgabe, je eine Sage aus M-V als 10-Minuten-Performance zu inszenieren. In einem weiteren Workshop unter Regie von Professor Hans-Jochen Menzel wurden die einzelnen Bestandteile geschliffen, inhaltlich in einen flexiblen Rahmen gefasst und von Siegfried Weber musikalisch verbunden.
SAGENHAFT kann sich sowohl an unterschiedliche Besetzungen sowie an verschiedene Spielorte anpassen. Die flexible Bühne von Stephan Rätsch ist in wenigen Minuten auf- und abgebaut. Außerdem können die einzelnen Sagen separat gespielt werden.
Alle Beteiligten ließen sich zunächst unabhängig von Bezahlung auf das Abenteuer ein. Inzwischen gab es geringe Aufwandsentschädigungen für die Proben, außerdem werden drei Aufführungen im Jahr gefördert.
Die eigentliche Triebfeder war der Wunsch, gemeinsam kreativ zu sein. Dadurch sind die beteiligten Mitglieder mit all ihren Eigenheiten und Fähigkeiten auch privat zusammengewachsen.
Das zweite Gemeinschaftsprojekt des LAFT-MV „MeerLiebe“ unter Regie von Marcus Staiger ist komplexer und hatte einen schwierigeren Start. Die Beschränkungen der Coronavirus-Pandemie verhinderte gemeinsame Proben. Die Szenerie, ebenfalls von Stephan Rätsch, ist zwar transportabel aber schwer und groß; kleinere Spielorte fallen damit von vornherein aus. Vor allem aber sieht die Inszenierung eine fortlaufende Handlung vor, so dass einzelne Szenen nicht so einfach ausgetauscht werden können.

Das Thema „Spielreihen“ wurde aus Zeitmangel nur kurz gestreift. Eventuell könnte z.B. das Veranstaltungs-Konzept im mecklenburgischen „Pahlhuus – Biosphäre Schaalsee“ auf entsprechende Institutionen im Saarland übertragbar sein. Weiterer Austausch ist beiderseitig erwünscht.


 


Thema – Ländlicher Raum / dezentrale Szene

Präsenzmeeting 11. 06. 2021 – 19:30 Uhr in Passentin

Impulsvortrag: „Ländliche Räume oder wie kommt die Kultur in die Fläche?“
von Marieken Matschenz,
Freie Bildende Künstlerin aus Neustrelitz und Mitglied des Kunst- und Kulturvereins simsalArt  
Impulsvortrag als pdf-Datei >>

 

 

Zoom-Meeting 07. 05. 2021 – 10:00 Uhr – Vortrag und Diskussion

Außer Mitgliedern aus den Verbänden Netzwerk Freie Szene Saar und LAFT-MV, waren Ricarda Hildebrandt vom Kultusministerium sowie zeitweise Peter Gillo vom Regionalverband Saarbrücken per Zoom zugegen.
Ab und zu schaltete sich „Prometheus“ ein und resümierte über den einprogrammierten Zelltod, den Krebs, das Sterben – und über die unsterbliche Seegurke, die von den Göttern vergessen wurde. Gespielt von Nina Schopka mit Ausschnitten aus „Der große Marsch“ von Wolfram Lotz.

Als eine der fünf Vorstandsfrauen des LAFT-MV begann Dörte Kiehn mit einer Einstufung der Situation in M-V, weitere Mitglieder ergänzten ihre Ausführungen.
Im Gegensatz zu den Freien Theatern im Saarland, die zumeist in Saarbrücken auftreten, spielen die Bühnen des Landesverbands Freier Theater M-V häufig in ländlichen Gegenden, da M-V ein ausgeprägtes Flächenland ist. In letzter Zeit ist der ländliche Raum auch in der Politik in den Fokus gerückt. Ein Grund dafür könnte der enorme Stadtzuzug der letzten Jahre sein. Wohnungsmangel und explodierende Mieten sind die Folgen. Will man dies bremsen, müssen die Familien attraktive Angebote auf dem Land vorfinden. Ein Bedarf an Theatervorstellungen besonders für Kinder ist durchaus vorhanden, entsprechende Strukturen noch nicht überall.
Die erste Frage der Kulturschaffenden sollte allerdings nicht lauten „wie“ komme ich in die Fläche, sondern „warum“ will ich dorthin und „was“ will ich dort erreichen. Welchen Mehrwert schaffe ich für die Region, das Publikum oder auch für Kolleg:innen. Je genauer diese Ziele herausgearbeitet sind, desto klarer wird, welche Kooperationsmöglichkeiten in Frage kommen. Gemeinden verfügen über Dorfgemeinschaftshäuser, in manchen Dörfern agieren private Kulturvereine, vielleicht gibt es eine rege Kirchengemeinde …
Passende Partner müssen nicht unbedingt aus der klassischen Kulturszene stammen, z. B. ruft der LAFT-MV dieses Jahr gemeinsam mit dem Heimatverband ein Festival auf Platt ins Leben.

Es gibt leider auch abgelegene Gegenden, in denen man all das nicht vorfindet. Hier können kleine Kitas und Schulen die Gagen oft nicht aufbringen und bei freien Veranstaltungen sind angemessene Eintrittsgelder nicht zu erreichen. Die nächste Stadt ist weit entfernt und damit jegliches kulturelle Angebot.
Einigen Mitgliedern des LAFT-MV ist es wichtig, genau dort hinzugehen. Tut man es nicht, übernehmen eventuell politische Randgruppen die Regie und bestimmen langfristig die Gesinnung. Insofern ist kulturelle Bildung auch politische Bildung.
Mit dem Vorpommernfestival hat Birgit Schuster in einem solchen Gebiet Pionierarbeit geleistet, es findet bereits zum dritten Mal statt. Ein ähnliches Beispiel aus einem anderen Bundesland ist das jährliche Theaterfestival im Elbe-Elster-Kreis.
Die Opernale, INSTITUT für Musik & Theater in Vorpommern bringt sogar Opern, sowie vielfältige Musik- und Theater-Angebote in Schulen und Scheunen, Kirchen und Gutshäuser. Wenn die Inhalte überzeugend sind, lässt sich mit Durchhaltevermögen und Kontinuität etwas aufbauen.
Die meisten Mitglieder des LAFT-MV leben selbst auf dem Land, sind also Teil der Landbevölkerung. Das muss man wollen und die Leute mögen. Die Gage besteht oft aus Eintrittsgeldern, die Spielorte sind manchmal überraschend. Mobile Bühnenkonzepte, die sich flexibel an unterschiedlichste Örtlichkeiten anpassen lassen, haben sich bewährt, um den eigenen theaterwürdigen Raum in verschiedenen Situationen selbst zu kreieren.

Beim Netzwerk Freie Szene Saar tauchte die Frage auf, wie sich die Bühnen des LAFT-MV unter diesen Umständen finanzieren.
Es gibt eine Einigung auf eine Mindestgage, die möglichst nicht unterschritten werden soll.
Kleine Einrichtungen können für eine Vorstellung zusammengelegt werden. Es wird auf Fördervereine von Kitas oder Schulen hingewiesen, oder angeregt, sich an ansässige Firmen zu wenden, die unterstützen könnten. Manche Sparkassen haben einen entsprechenden Fond.
2021 gibt es erstmalig eine Auftrittsförderung aus Restbeständen vom Land, die 100 € pro Vorstellung beisteuert.
Ein Großteil der LAFT-MV Mitglieder hat sich weitere Standbeine geschaffen, in dem sie unterrichten, Kurse / Workshops geben, Regie führen oder Ausstattungen bauen. Andere spielen nur zum Teil in M-V und gehen deutschlandweit auf Tournee.

Viele Strategien des LAFT-MV lassen sich für das Netzwerk Freie Szene Saar nicht eins zu eins umsetzen. Allein die Fläche ist nicht vergleichbar, pro Bühne in M-V stehen über 1000 qkm zur Verfügung, im Saarland sind es gerade mal 83 qkm. Während ein großer Teil der M-V-Bühnen für Kinder spielt, richten sich die Inszenierungen der Saarland-Bühnen eher an Erwachsene. Die meisten LAFT-MV-Mitglieder haben Proberäume und Werkstätten am Haus, in Saarbrücken dagegen mangelt es an entsprechenden Räumlichkeiten.
In diesem Zusammenhang erklärte Peter Gillo die Funktion des Regionalverbandes, welcher Veranstaltungen im Schloss organisiert. Hier werden allerdings selten die regionalen freien Künstler engagiert. Wer dort auftreten will, muss Miete, Techniker und Hausmeister selbst bezahlen.
Beim deutsch- / französischsprachigen Festival Perspectives für zeitgenössische Bühnenkunst wird die ansässige Freie Szene ebenfalls wenig beteiligt.
Daher denkt das Netzwerk Freie Szene Saar seit einiger Zeit über ein Produktionshaus nach, was in der konzentrierten städtischen Kulturlandschaft sicher eine Bereicherung wäre.

Zum Schluss des Meetings gab es eine Einspielung von der Übergabe des Gastgeschenkes. Das Netzwerk Freie Szene Saar hatte sich aus Mangel an Meer einen Binnenleuchtturm gewünscht – und ihn auch bekommen.